Die Coss von Adam Ries

 

Zur Einordnung

Die mathematische Leistung von Ries erkennt man erst, wenn man außer den bekannten Rechenbüchern auch die Coß studiert hat.

Es ist das damalige Mathematik-Lehrbuch, das nicht nur rezeptartig Aufgaben und Lösungen darstellte, sondern bereits für die unbekannten Größen (Variable) Symbole verwendete und weitere Fachbegriffe formulierte.
Aus uns nicht bekannten Gründen wurde die Coß von Adam Ries niemals gedruckt. Möglicherweise spürte Ries, sein Werk würde kein Verkaufserfolg werden, da bereits gleichartige Bücher, unter anderem von Michael Stifel und Christoph Rudolph, vorhanden waren.

Eine erste Fassung seiner Handschrift beendet Ries 1524, also kurz nach dem Weggang aus Erfurt. Er widmet seine Arbeit dem Förderer Georg Stortz.
In Annaberg überarbeitete Ries um 1550 die erste Fassung.
Aber ein geplanter Druck erfolgte nicht und der Rechenmeister widmet sein Lebenswerk seinen Söhnen.

Diese mehrteilige Handschrift ging später verloren und wurde im Jahre 1855 durch den Ries-Forscher Berlet wieder ausfindig gemacht.
Das obige Titelbild stammt von Martin Kupfer, der 1664 die Handschrift von 1524, die Überarbeitung von etwa 1550 und eine weitere Handschrift von Ries zu einem Band binden ließ.

Eine vollständige Aufarbeitung der darin steckenden mathematischen Leistungen wurde erst zum Jahre 1992 durch die Mathematikhistoriker Wolfgang Kaunzner aus Regensburg und Hans Wußing aus Leipzig abgeschlossen.
Dadurch wird mit großer Verspätung klargestellt, daß der Rechenmeister und Mathematiker Ries mit dem Wissen in seinem Lehrbuch auf der Höhe seiner Zeit stand.

1992 gab der Teubner-Verlag aus Anlaß des 500. Geburtstag von Adam Ries einen fotomechanischen Druck dieser Handschriftensammlung heraus.

Fortsetzung 1