Rechenmeister 

Am Ende des 15. Jahrhunderts erfolgte der Übergang von der Nutzung der römischen Zahlen und der damit verbundenen Rechenmethoden zur Verwendung der indisch-arabischen Zahlen mit ihren neuen Möglichkeiten des schriftlichen Rechnens. 

Der zunehmende Handel, besonders der Fernhandel verdrängte den Tausch als wichtiges Handelsprinzip. Es wurde immer mehr gekauft und verkauft auf der Grundlage von Geld. Es mussten durch diese Erscheinungen und weitere gesellschaftliche Veränderungen immer mehr Menschen rechnen. 

Die römischen Zahlen und die dazugehörigen Rechenmethoden erwiesen sich für die umfangreicheren Rechnungen als ungeeignet. Die bereits in den Klöstern bekannten indisch-arabischen Zahlen mit der Null und dem eindeutig dezimalen Aufbau setzten sich von Italien und Spanien aus in den Norden unseres heutigen Europas durch. 

Mit dem Übergang zum 16. Jahrhundert entstand der Berufszweig der Mathematiker. Die eine Gruppe der Mathematiker arbeitete und lehrte an den Universitäten, dazu ist auch Heinrich Schreyber zu zählen.

Eine zweite Gruppe der Mathematiker lehrte vor Allem das praktische Rechnen, es sind die Rechenmeister. Sie sind vom Humanismus ihrer Zeit geprägt. Das zeigt sich besonders darin, dass sie nicht mehr wie die typischen Wissenschaftler der Universitäten ihre Schriften in lateinischer Sprache verfassen sondern in ihrer Heimatsprache.

Rechenmeister gab es in allen Ländern, bekannte Beispiel sind: 

Cardano, Hieronimo           Italien

Köbel, Jakob                     Deutschland

Pelitier, Jaques                   Frankreich

Recorde, Robert                England

Ries, Adam                        Deutschland

Stifel, Michael                    Deutschland

Tartaglia, Nicolo                Italien

Widmann, Johannes           Deutschland

  Rechenmeister waren im heutigen Sinne Freiberufler. Sie rechneten für ihre Auftraggeber, manchmal waren das auch die städtischen Verwaltungen. Fast immer führten Rechenmeister eine Rechenschule. Den Lehrstoff ihres Unterrichts ließen die Rechenmeister mit den typischen Rechenbüchern drucken.
Aber auch Wissenschaftler, wie zum Beispiel Heinrich Schreyber, gaben Rechenbücher heraus.

Für Erfurt wichtige Rechenmeister beziehungsweise Rechenbuch-Autoren sind: 

Adam Ries

Conrad Feme

Nikolaus Felner

Johann Weber

Heinrich Schreyber

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